Kundengewinnung für Dienstleister: stetige Anfragen statt Zufall
In den ersten Jahren reichen Empfehlungen, und das ist keine Schwäche, sondern ein gutes Zeichen. Ein zufriedener Kunde gibt Ihre Nummer an den Nachbarn weiter, der Nachbar an einen Kollegen, und der Kalender füllt sich, ohne dass Sie einen Euro für Werbung ausgeben. Das Problem daran ist eine Decke, die man erst bemerkt, wenn man dagegenstößt. Ist der Bekanntenkreis abgearbeitet, brechen die Anfragen nicht langsam ein, sondern reißen ab, meist im ungünstigsten Moment.
In diesem Beitrag zeige ich, wie Sie eine zweite und dritte Quelle aufbauen, damit Ihr Betrieb nicht mehr vom Zufall abhängt. Es geht nicht darum, Empfehlungen aufzugeben, denn sie sind die günstigste und beste Quelle überhaupt. Es geht darum, Kanäle danebenzustellen, die genau dann liefern, wenn gerade niemand empfiehlt. Die Grundreihenfolge finden Sie im Beitrag darüber, womit ein kleiner Betrieb anfängt.
Inhalt
Warum Empfehlungen allein immer irgendwann enden
Eine Empfehlung entsteht, wenn zwei Dinge zufällig zusammentreffen: Jemand braucht Ihre Leistung, und genau diese Person spricht gerade mit jemandem, der Sie kennt. Auf beides haben Sie keinen Einfluss, weshalb die Zahl der Anfragen aus dieser Quelle von Monat zu Monat schwankt. Im guten Monat lehnen Sie Aufträge ab, im schwachen sitzen Sie da, und der Jahresdurchschnitt sieht ordentlich aus und verdeckt genau dadurch das Problem. Ein Betrieb, der ausschließlich von Empfehlungen lebt, kann weder Personal noch Anschaffungen planen.
Der zweite Punkt ist die begrenzte Reichweite. Empfehlungen kreisen innerhalb einer Gruppe, meist in einem Stadtteil oder einer Branche, und irgendwann haben Sie dort jeden bedient, der Ihre Leistung braucht. Aus dieser Gruppe herauszukommen erfordert andere Kanäle, denn der Nachbar Ihres Kunden erfährt beim Grillen nichts von Ihnen. Deshalb bleiben viele gute Betriebe jahrelang auf demselben Niveau, obwohl ihre Arbeit immer besser wird.
Was das Warten auf das Telefon kostet
Der messbarste Verlust ist die schwankende Einnahme, die dazu zwingt, Aufträge unter Preis anzunehmen, nur um eine leere Woche zu füllen. Der Kunde, der im schwachen Monat über eine Empfehlung kommt, ist in Wahrheit ein teurer Kunde, weil Sie aus Angst vor Leerlauf den Preis senken. Ein Betrieb mit planbaren Anfragen kann absagen und auswählen, und das ist die erste Voraussetzung für höhere Preise. Stabilität ist damit eine Frage der Marge.
Der zweite Verlust ist die fehlende Planbarkeit. Sie stellen niemanden ein, wenn Sie nicht wissen, ob in zwei Monaten Arbeit da ist, und Sie kaufen kein Fahrzeug, wenn die Einnahmen um die Hälfte schwanken. Der Betrieb steht dann nicht still, weil es an Können fehlt, sondern weil es an Vorhersehbarkeit fehlt. Genau die liefern die vier Quellen weiter unten.
Vier Quellen, die zusammen tragen
Ein gesunder Dienstleistungsbetrieb steht auf mehreren Beinen: geordnete Empfehlungen, Sichtbarkeit bei Google, bezahlte Werbung für den schnellen Schub und die eigene Kundenliste, an die fast niemand denkt. Unten beschreibe ich alle vier in der Reihenfolge, in der es sinnvoll ist, sie aufzubauen. Verteilt auf einige Monate sind das wenige Stunden Arbeit pro Monat. Wichtiger als Tempo ist, dass jede Quelle wirklich fertig wird.
1. Empfehlungen bewusst auslösen statt abwarten
Empfehlungen lassen sich zu einem guten Teil aus dem Zufall herausholen, wenn Sie aktiv darum bitten. Sagen Sie zum Abschluss eines Auftrags ausdrücklich, dass Sie neue Aufträge annehmen und sich freuen, wenn man Ihre Nummer weitergibt. Lassen Sie zwei Visitenkarten statt einer da und schicken Sie ein bis zwei Tage später eine kurze Nachricht mit Dank und Rechnung. Das ist die einfachste Maßnahme der ganzen Liste und die, die am häufigsten unterbleibt.
2. Sichtbarkeit bei Google, unabhängig vom Bekanntenkreis
Das Google Unternehmensprofil ist für Dienstleister der wichtigste kostenlose Kanal, weil es genau dann erscheint, wenn jemand in Ihrer Nähe sucht und bereit ist zu telefonieren. Ein vollständiges Profil mit aktuellen Fotos, ausgefüllten Leistungen und Bewertungen bringt Anrufe, ohne dass Sie für Klicks zahlen, wie ich im Beitrag über das Unternehmensprofil beschreibe. Das zweite Element ist die Website, die aus Interesse eine Anfrage macht, siehe Kosten und Inhalte einer Firmenwebsite. Zusammen ergeben beide eine Quelle, die nicht versiegt, sobald Sie aufhören zu zahlen.
3. Bezahlte Werbung als Hahn, den Sie aufdrehen
Bezahlte Werbung hat den Vorteil, fast sofort zu wirken, und den Nachteil, mit dem Budget zu enden. Am besten funktioniert sie deshalb, um Lücken im Kalender zu füllen, eine neue Leistung zu testen oder einen weiteren Ort zu erschließen, nicht als einzige Quelle. Voraussetzung ist ein fertiges Fundament, denn Anzeigen auf eine schwache Seite geben nur schneller Geld aus. Was das realistisch kostet, steht im Beitrag über Google Ads Kosten.
4. Die eigene Kundenliste, die günstigste Quelle überhaupt
Ein Kunde, der schon einmal gekauft hat, ist um ein Vielfaches günstiger zurückzuholen als ein neuer zu gewinnen, und trotzdem meldet sich fast niemand bei ihm. Es genügt eine schlichte Liste mit Name, Telefonnummer, Datum und Leistung, geführt in einer Tabelle, um einmal im Quartal mit einem konkreten Anlass an sich zu erinnern. In vielen Gewerken gibt es einen natürlichen Turnus, etwa Wartung, Prüfung oder eine Saisonleistung, und allein der Hinweis auf den Termin genügt. Günstigere Aufträge werden Sie nirgends bekommen.
Wie ein stabiler Zustrom in der Praxis aussieht
Ein Betrieb mit diesen vier Elementen erlebt Schwankungen nicht mehr als Bedrohung, weil ein schwacher Monat in einem Kanal von einem anderen aufgefangen wird. Häufig liegt die Verteilung bei etwa vierzig Prozent Empfehlungen, vierzig Prozent Sichtbarkeit bei Google und dem Rest aus Werbung und Kundenliste. Die genauen Anteile sind unterschiedlich, die Regel bleibt gleich: Kein Kanal sollte für mehr als die Hälfte der Aufträge stehen. Das ist der Unterschied zwischen einem Betrieb, der auf Anrufe wartet, und einem, der Quartale plant.
Messen Sie außerdem, woher Anfragen tatsächlich kommen, denn die Erinnerung täuscht zuverlässig. Es reicht, bei jeder Anfrage zu fragen, woher die Nummer stammt, und die Antwort in derselben Tabelle zu notieren. Nach drei Monaten haben Sie ein Bild davon, wo sich mehr Arbeit lohnt und wo bereits genug getan ist. Ohne diese Notizen sind Ausgabenentscheidungen reines Raten.
Wie es in Ihrer Branche aussieht
Die Reihenfolge ist überall gleich, aber die Gewichte unterscheiden sich, denn eine Familie, die Betreuung sucht, sucht anders als ein Autofahrer mit einer Panne. Für die häufigsten Gewerke habe ich deshalb getrennt beschrieben, wo der Kunde sucht, was seine Entscheidung bestimmt und wie die Saison verläuft. Suchen Sie sich den Beitrag heraus, der Sie betrifft, und arbeiten Sie ihn zuerst durch. Alles andere bleibt gültig, ist aber weniger dringend.
Für ausführende Betriebe gibt es den Beitrag über Bauaufträge, für Reinigungsfirmen über Kunden in der Gebäudereinigung und für Betreuungsdienste über Kunden in der 24-Stunden-Betreuung. Dazu kommen Transportaufträge, Marketing in der Gastronomie, volle Kalender im Kosmetikstudio und Marketing für Kfz-Werkstätten. Alle folgen derselben Reihenfolge, übersetzt in die Wirklichkeit des jeweiligen Gewerks.
Der häufigste Fehler: alles gleichzeitig oder gar nichts
Das typische Muster: Nach einem leeren Monat legt der Betrieb Profile in vier Portalen an, schaltet Werbung, bestellt Flyer, und nach sechs Wochen liegt alles brach, weil sich nichts getan hat. Kanäle wirken kumulativ und brauchen Zeit, und wer die Kräfte auf fünf Dinge verteilt, bringt keines zu Ende. Wählen Sie pro Quartal einen Kanal und machen Sie ihn fertig. Ein ordentlich geführtes Unternehmensprofil schlägt fünf halb ausgefüllte Portalprofile deutlich.
Der zweite Fehler ist Marketing nur in schwachen Monaten. Werbung, die erst startet, wenn der Kalender leer ist, kommt zu spät, weil die Wirkung Wochen braucht. Am meisten bringt es, in den vollen Monaten weiterzuarbeiten, denn dann bauen Sie den Vorrat für die dünnen Wochen auf. Diese Regel ist die unbequemste und zugleich wirksamste auf der Liste.
Was Sie heute tun können
Schreiben Sie alle Aufträge der letzten drei Monate auf und notieren Sie neben jedem, woher der Kunde kam. Steht bei den meisten Einträgen eine Empfehlung, haben Sie genau das Problem, um das es hier geht, und wissen, dass die zweite Quelle dringend ist. Diese Übung dauert zwanzig Minuten und zeigt mehr als jede Analyse. Heben Sie den Zettel auf und vergleichen Sie ihn in einem halben Jahr.
Machen Sie danach genau eine Sache fertig: das Unternehmensprofil vollständig ausfüllen. Wenn es steht, bitten Sie systematisch um Bewertungen, weil sie darüber entscheiden, wie sichtbar das Profil wird. Erst danach lohnt sich der Gedanke an bezahlte Werbung, denn dann hat sie eine Grundlage.
Die zweite und dritte Anfragequelle bauen wir für Dienstleister als lokales SEO auf, zusammen mit WordPress SEO für die Website. Wie so eine Veränderung in Zahlen aussieht, zeigen wir in unseren Referenzen. Ausgangspunkt war dort fast immer ein Betrieb, der ausschließlich von Empfehlungen lebte.
Häufige Fragen
Das Unternehmensprofil auszufüllen ist Arbeit für einen Abend, erste Wirkung zeigt sich meist nach zwei bis drei Wochen. Eine stabile Sichtbarkeit mit regelmäßigen Anfragen braucht in der Regel drei bis sechs Monate. Bezahlte Werbung wirkt schneller, endet aber mit dem Budget.
Nein, Empfehlungen sind die günstigste Quelle und gehören verstärkt, indem Sie aktiv darum bitten. Es geht nur darum, dass sie nicht die einzige Quelle bleiben. Am stabilsten ist eine Verteilung, in der kein Kanal mehr als die Hälfte der Aufträge trägt.
Das Google Unternehmensprofil, weil es nichts kostet und genau im Moment der Suche erscheint. Direkt danach kommt die Bitte um Bewertungen, die dessen Sichtbarkeit verstärkt. Erst danach lohnt sich bezahlte Werbung.
Als Ergänzung können sie sinnvoll sein, allerdings wird dort stark über den Preis verglichen, was die Marge drückt. Rechnen Sie nach, was ein gewonnener Auftrag dort tatsächlich kostet. Liegt der Preis über dem der eigenen Sichtbarkeit, investieren Sie besser in Profil und Website.